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Inhalt:

Wie Frauen Geschichte schrieben – und Männer dafür den Ruhm bekamen.

Muse, Sekretärin, Ehefrau – es gibt viele Bezeichnungen für Frauen, deren Einfluss aus der Geschichte radiert wurde. Für deren Leistungen Männer die Auszeichnungen und den Ruhm bekamen. Männer, wie n ihren Werken mitwirkten – und deren Namen damals wie heute kaum jemand kennt.

Wissenschaftlerinnen wie Rosalind Franklin und Lise Meitner, deren Errungenschaften, im Gegensatz zu denen ihrer männlichen Kollegen, nicht anerkannt wurden. Oder Autorinnen und Künstlerinnen Karl Marx, Bertolt Brecht oder Albert Einstein, deren Bekannte, Töchter oder Geliebte awie Marie Hirsch oder Lou Andreas-Salomé, die sich hinter männlichen Pseudonymen versteckten, um ernstgenommen zu werden.

Leonie Schöler erzählt ihre Geschichten, sie zeigt, wer die Frauen sind, die unsere Gesellschaft wirklich vorangebracht haben, und verdeutlicht, wie wichtig die Diskussion um Teilhabe und Sichtbarkeit heute noch ist. Dabei wird klar: Hinter jedem erfolgreichen Mann steht ein System, das ihn bestärkt; vor allen Frauen steht ein System, das sie aufhält.

Meine Meinung:

„Beklaute Frauen“ von Leonie Schöler hat mich auf eine Gefühlsachterbahn mitgenommen – und am Ende wütend zurückgelassen. Dieses Hörbuch, meisterhaft gelesen von Felicity Grist, entlarvt schonungslos die Systeme der Ausbeutung, des Machtmissbrauchs und der gezielten Auslöschung weiblicher Leistungen. Es geht nicht nur um Einzelschicksale, sondern um ein strukturelles Unrecht, das Generationen von Frauen betrifft. Die Wut, die in mir aufstieg, war nicht nur persönlich, sondern auch eine kollektive – denn was hier beschrieben wird, ist kein Relikt der Vergangenheit, sondern eine Realität, die bis heute nachwirkt und weiter getrieben wird.

Besonders erschütternd sind die Schilderungen von Männern, die ihre Töchter als kostenlose Arbeitskräfte instrumentalisierten, oder Künstler, die junge Frauen sexuell ausbeuteten, um sie dann – sobald sie nicht mehr „nützlich“ oder „begehrenswert“ waren – fallen zu lassen und öffentlich zu diskreditieren. Noch perfider wird es, wenn selbst Frauen diese Strukturen stützten, sei es aus Angst, aus Kalkül oder aus internalisierter Unterdrückung. Die Täter, die ihre Taten teilweise sogar eingestanden – mal freiwillig, mal unter gerichtlichem Druck –, stehen bis heute als „große Macher“ da, während die betroffenen Frauen in Vergessenheit geraten. Ihre Namen, ihre Leistungen, ihr Recht auf Anerkennung – alles ist systematisch getilgt worden.

Die Mechanismen, die Leonie Schöler in „Beklaute Frauen“ aufdeckt, sind kein Relikt vergangener Zeiten, sondern wirken bis heute nach. Gesetze, die Frauen strukturell benachteiligen, sind zwar in vielen Ländern formal abgeschafft – doch die Folgen bestehen fort: In Bewerbungsverfahren werden nach wie vor Männer bevorzugt, selbst wenn sie weniger qualifiziert sind. Wissenschaftliche Preise bleiben mehrheitlich in männlicher Hand, als ob Genie ein Geschlecht hätte. Das Imposter-Syndrom trifft besonders Frauen und People of Color – kein Wunder, wenn die Geschichte ihnen jahrhundertelang eingehämmert hat, sie seien weniger fähig, weniger kreativ, weniger verdient.
Die Vorurteile sitzen tief: Männer gelten nach wie vor als die „natürlichen“ Träger wichtiger Ergebnisse, als die geborenen Führungskräfte, als die wahren Schöpfer großer Kunst. Ihre Werke werden höher bewertet, besser vermarktet und finanziell besser honoriert. Die Botschaft ist klar: Systeme, die einst offen diskriminierten, haben sich nur verfeinert – doch das Ergebnis bleibt dasselbe. Die Frage ist: Wann endlich wird diese Ungerechtigkeit nicht nur benennt, sondern auch aktiv bekämpft?

Und diese Ungerechtigkeiten gibt es nicht nur in Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Kunst, Sport, Gesellschaft, … – sie begegnen uns überall. Doch dies macht das Problem auch so schwer aufzubrechen. Wie kann ein globales Ungleichgewicht aufgehoben werden? Denn selbst der Titel dieses Buches „Beklaute Frauen“ schließt schon wieder Teile der betroffenen Gesellschaft aus. Das ist das, von die Welt von Feminismus lernen muss. Es geht nicht darum einzelnen Personen oder Personengruppen zu Sichtbarkeit zu verhelfen, ihren gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft zu schaffen. Das ist zu klein gedacht und hilft genau der Gruppe, die sich jetzt bereits als das „Opfer“ des Feminismus versteht – der weiße (meist ältere) cis Mann. Der ohne es verstehen zu wollen, aber auch selbst Opfer des Patriachiats ist.

Viele der in diesem Buch beschriebenen Fälle waren mir bisher unbekannt – und das ist genau das Problem. Es handelt sich hier nur um die Spitze des Eisbergs, um die wenigen Geschichten, die überhaupt noch rekonstruierbar sind. Unzählige weitere Frauen, die Großes geleistet, geforscht oder geschaffen haben, sind für immer aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden. Dass ihre Beiträge heute niemandem mehr zuordenbar sind, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrhundertelanger gezielter Ausgrenzung.
Leonie Schöler, Historikerin, Journalistin und Moderatorin, hat mit „Beklaute Frauen“ nicht nur ein Buch geschrieben, sondern eine Bewegung ausgelöst. Was als Aufklärung auf TikTok und Instagram begann – wo sie ihre Follower:innen regelmäßig auf Zeitreisen in die Vergangenheit mitnimmt –, mündete in dieser schonungslosen Abrechnung. Dass das Buch 2024 mit dem Bayern 2-Publikumspreis des Bayerischen Buchpreises ausgezeichnet wurde, zeigt: Es trifft einen Nerv. „Beklaute Frauen“ ist daher nicht nur ein Buch über Ungerechtigkeit, sondern auch ein dringender Appell der Autorin: Wir müssen diese Geschichten erzählen, die Namen nennen und die Verantwortung für ihr Verschwinden benennen – bevor auch die letzten Spuren für immer verloren gehen.

Fazit: 10 Stunden habe ich diesem Hörbuch gelauscht und ich würde noch weitere 10 Stunden zuhören, wenn möglich. Eine Autorin, die die Strukturen aufgezeigt hat und eine Sprecherin, die dies eindrücklich aber sachlich vorgetragen hat. Leonie Schöler und Felicity Grist sind hier ein unschlagbares Team.

Dieses Buch hat mir Augen geöffnet, mich traurig und wütend hinterlassen und mir gezeigt, das es bei Feminismus nicht nur darum geht, als Frau gesehen, respektiert und unsere Leistungen anerkannt zu bekommen. Es geht darum das jeder Mann, jede Frau , jeder Mensch – als egal was er sich definiert oder auch nicht – ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft ist, der das Recht ohne Ausgrenzung, ohne Angst vor Repressalien, ohne Reduzierung auf Geschlecht, Hautfarbe, Stammbaum, … hat gesehen und gehört zu werden. Wie weit können wir kommen, wenn wir mit anstatt gegeneinander arbeiten würden. Leonie Schöler hat mir ein die Augen geöffnet und mir gezeigt, wie klein ich Feminismus bisher gedacht habe und dabei hat sie nur an der Oberfläche gekratzt.

persönliches Nachwort von mir:

Diese Ungerechtigkeiten beschränken sich nicht nur auf Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Kunst, Sport oder Gesellschaft – sie begegnen uns überall. Doch genau das macht das Problem so schwer greifbar: Wie lässt sich ein globales Ungleichgewicht aufbrechen, das so tief in unseren Systemen verwurzelt ist? Selbst der Titel „Beklaute Frauen“ zeigt bereits, wie schwer es ist, alle Betroffenen einzubeziehen. Das ist eine der größten Lektionen, die die feministische Bewegung lernen muss: Es geht nicht darum, einzelnen Personen oder Personengruppen zu Sichtbarkeit zu verhelfen oder ihnen einen gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft zu verschaffen. Das wäre zu kurz gegriffen – und würde genau der Gruppe in die Hände spielen, die sich bereits als „Opfer des Feminismus“ inszeniert: dem weißen, meist älteren cis Mann, der oft selbst – ohne es zu begreifen – ein Opfer des Patriarchats ist.

Denn es geht nicht um einen Kampf von Mann gegen Frau. Diese Erzählung wird nur gezielt gestreut, um uns die Kräfte in sinnlosen Grabenkämpfen zu rauben und die große Sicht mit Nebel zu füllen. Die wahre Herausforderung liegt darin, die Systeme selbst zu hinterfragen – und gemeinsam gegen die Strukturen zu kämpfen, die uns alle einschränken.

Von Kathleen

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